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Abtretungserklärung: Was das ist und was es zu beachten gilt

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Maximilian Stuber am 23.04.2018

Kurz und bündig

Eine „Abtretung“ (Zession) ist die Übertragung einer Forderung von einem Gläubiger (Zedent) auf einen Dritten, also auf einen neuen Gläubiger (Zessionar). Sie dient in der Wirtschaft als Mittel, um Sicherheiten zu übereignen.

§ 398 BGB:

„Eine Forderung kann von dem Gläubiger durch Vertrag mit einem anderen auf diesen übertragen werden (Abtretung). Mit dem Abschluss des Vertrags tritt der neue Gläubiger an die Stelle des bisherigen Gläubigers.“

So geht's

Die Abtretungserklärung kann grundsätzlich formfrei erfolgen. In einigen wenigen Fällen bedarf es einer Schriftform. Entscheidend für die Abtretungserklärung ist, dass der bisherige Zedent gegenüber dem Zessionar die Abtretung erklärt. Der Zessionar muss die Abtretungserklärung wiederum annehmen. Es müssen folglich übereinstimmende Willenserklärungen des alten und neuen Gläubigers vorliegen.

Inhaltlich sind folgende Punkte zu klären:

  • Namen und Anschrift aller Beteiligten
  • Nennung der genauen Forderung
  • Hinweis, ob die Abtretungserklärung gemäß § 364 BGB oder § 398 BGB erfolgt

Unterscheidung § 364 und § 398 BGB:

Eine Abtretung gemäß § 364 BGB wird „an Erfüllung statt“ angesehen: Die Erfüllung der betreffenden Forderung ist sicher, ist aber noch nicht vollzogen.

Beispiel: Nach einem nicht verschuldeten Unfall tritt der Kfz-Halter die Forderung über die Autoreparatur, die er gegenüber der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers hat, an die Werkstatt ab. Diese wendet sich selbst an die Versicherung.

Der § 398 BGB regelt die Abtretung von Forderungen, die zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher sind.

Beispielformulierung:

Hiermit trete ich ... (Name, Adresse) meine Forderung gegen … (Name, Anschrift) aus … (exakter Grund für die Abtretung) an … (Name, Anschrift) ab. Diese Abtretung passiert gemäß … § 364 BGB oder § 398 BGB.

Bei einer Abtretung gemäß § 364 BGB ist der Hinweis empfehlenswert, dass durch die Abtretung die Ansprüche des Gläubigers gegenüber dem Schuldner erloschen sind.

Abtretung im Unternehmensalltag

Das Forderungsmanagement ist ein aufwendiger Teil der Buchhaltung, der in vielen Unternehmen das Tagesgeschäft belastet. Personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen sind gebunden und vom eigentlichen Kernbusiness abgelenkt.

Outsourcing: Inkasso- und Factoringunternehmen

Eine Möglichkeit, wie Unternehmen sich vom Mahnwesen entlasten können, ist das Outsourcing, also die Übergabe eines entsprechenden Vorgangs an einen externen Dienstleister.

Inkassounternehmen

Branchenprofis kümmern sich im Namen des Rechnungsstellers um den professionellen Forderungseinzug, stehen Gläubiger und Schuldner beratend und lösungsorientiert zur Seite. In der Regel findet dabei kein Gläubigerwechsel statt.

In seltenen Fällen bieten manche Inkassounternehmen auch einen Forderungskauf an. Beim Forderungskauf tritt der ursprüngliche Gläubiger die offene Forderung an das Inkassounternehmen ab, das ihm die offene Summe (evtl. mit Abschlag) bezahlt. Eine solche Abtretung nennt man Inkassoabtretung.

Factoring

Eine Alternative dazu ist das Factoring. Ein Factor ist ein Finanzdienstleister, der offene Forderungen vom Rechnungssteller übernimmt und im Sinne eines Kredits vorfinanziert. Zu unterscheiden ist dabei zwischen echtem und unechtem sowie stillem und offenem Factoring.

Bei dieser Leistung geht es primär um den Forderungseinzug und weniger um eine Problemlösung. Zwar muss der Rechnungssteller einen gewissen Abschlag in Kauf nehmen (je nach Vereinbarung), hat aber den Vorteil, schnell liquide zu sein.

Fazit

Eine Abtretung ist eine Verfügung über eine Forderung. Der dabei vollzogene Gläubigerwechsel berührt weder den Inhalt der Forderung noch den Schuldner. Durch eine Abtretungserklärung können Dritte gegen eine eventuelle Zahlungsunfähigkeit des anderen Vertragspartners abgesichert werden. Dieser Punkt ist besonders für Existenzgründer interessant. Beim Forderungsmanagement mithilfe eines externen Dienstleisters (Inkassounternehmen, Factoring) können Forderungen verkauft, also gegen eine Vorfinanzierung abgetreten werden.

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