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Evolution oder Revolution - Was bedeutet Industrie 4.0?

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Joseph Strietzel am 24.10.2017

Von der industriellen Revolution zur Industrie 4.0

England im beginnenden 19. Jahrhundert: Schwerer Rauch liegt über den Industriehallen einer Fabrik für die Massenfertigung von Roheisen. Die industrielle Revolution ist in vollem Gange - schon bald werden Gleise alle wichtigen Orte der Insel einander näher bringen, Güter und Personen in noch nie gekannter Geschwindigkeit befördert werden und massive Umwälzungen soziale und wirtschaftliche Verhältnisse neu ordnen.

Mit dem Aufkommen der chemischen Industrie und Erfindungen der Elektrotechnik wird knapp 100 Jahre später die zweite industrielle Revolution eingeläutet, mit der auch neue Organisationsformen in der Arbeitswelt an Popularität gewinnen. Die Erfindung des Telefons ermöglicht nun eine unverzügliche Kommunikation über weite Distanzen, sodass Geschäftspartner keine langen Reisen mehr auf sich nehmen müssen, um Gespräche zu führen.

Die Erfindung von Mikrochips ermöglicht ab den 1960er Jahren die immer weiter voranschreitende Automatisierung und Digitalisierung im industriellen und häuslichen Bereich. Innovationsschübe sorgen so dafür, dass plötzlich - im eigentlichen Sinne - die Sterne zum Greifen nah scheinen.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2017: Die Entwicklung autonom fahrender Autos befindet sich in einem weit vorangeschrittenen Stadium. Selbst mit einem Smartphone lässt sich in virtuelle Realitäten abtauchen und Smartwatches „tracken” sämtliche Körperfunktionen und fordern den Träger auf, doch noch ein paar Treppen zu steigen, um das Tagesziel zu erreichen.

Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine als Herausforderung im 21. Jahrhundert

Jede industrielle Revolution brachte weitreichende gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Die Nebenfolgen von technischen Errungenschaften führten auch zu moralischen Fragen und sozialen Problemstellungen. So wurden beispielsweise Berufstätige durch Rationalisierungsmaßnahmen in die Arbeitslosigkeit gedrängt oder zwischenmenschliche Beziehungen durch verschiedene Arbeitsmodelle auf eine harte Probe gestellt.

Bisher wurden industrielle Revolutionen nachträglich benannt - bei der Industrie 4.0 ist das anders. Die im Rahmen der sogenannten „Hightech-Strategie” der Bundesregierung gewählte Bezeichnung meint die zunehmende Verzahnung moderner Informations- und Kommunikationstechnik mit der industriellen Produktion. So ist der Begriff nicht historisch belegt, sondern stellt vielmehr ein Konzept dafür dar, welche Schwerpunkte künftig in der industriellen Entwicklung zu setzen sind, um in Zeiten von weitgehender Vernetzung und Automatisierung auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bezeichnet die Industrie 4.0 selbst als „Forschungsagenda”. Das bedeutet, dass mögliche Szenarien noch nicht fest vorhersagen können, welche Techniken sich als zukunftsfähig erweisen werden.

Die vier zentralen Schwerpunkte der Agenda

Um den Herausforderungen der Industrie 4.0 angemessen begegnen zu können und Chancen frühzeitig zu erkennen, unterstützt das BMBF Forschungsarbeiten mit Fördermitteln über 470 Millionen Euro.

So werden in Bezug auf den Mittelstand systematisch …

  • … Werkzeuge zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung entwickelt, um Aussagen über die Zukunftsfähigkeit von Technologien treffen zu können.
  • … spezifische Lösungsansätze evaluiert, um Adaptionsprozesse zu erleichtern.
  • … im Rahmen von Einführungsstrategien und Umsetzungsempfehlungen Maßnahmen entworfen, die die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen sichern.

Des Weiteren wird die Entwicklung komplexer standardisierter Software gefördert, die für die Wettbewerbsfähigkeit führender deutscher Industriezweige als unabdingbar angesehen wird.

Die Sicherheit in IT-Systemen wird auch für die Zukunft als maßgeblich betrachtet. Viele Unternehmen sind in der Vergangenheit schon Opfer von Computerkriminalität geworden und haben so wertvolle Informationen und Geschäftsgeheimnisse an Wettbewerber verloren.

Um die Qualifikation der Beschäftigten besser an die Erfordernisse des Marktes anzupassen, werden die neuen Bedarfe ermittelt und ausgewertet. Im Vordergrund stehen hierbei die Entwicklung neuer Ideen für die Arbeitsgestaltung, Kompetenzentwicklung und vorausschauende Problemvermeidung.

Fazit

Der Begriff Industrie 4.0 ist nicht unumstritten, da eine industrielle Revolution ausgerufen wird, noch bevor diese stattgefunden hat. Auch die Tatsache, dass der Fokus nur auf der Industrie liegt, wird kritisiert. Eine treffendere Bezeichnung ist „Wirtschaft 4.0”, die sich auch auf das Dienstleistungsgewerbe bezieht. Bisherige industrielle Revolutionen brachten jedoch derart umfassende Umschwünge mit sich, dass es sinnvoll scheint, präventiv die Folgen technischer Weiterentwicklungen auf die Gesellschaft zu prüfen und aus den Erkenntnissen konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.

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