Niedrige Zinsen sind ein Segen für die freie Wirtschaft, weil Unternehmen jederzeit günstig und schnell an Geld kommen können. Doch mit dem Ende der Niedrigzinspolitik geraten immer mehr ehemals wirtschaftliche Betriebe in Schieflage, weil sie schlichtweg nicht in der Lage sind, ihre eigene Liquidität ordentlich zu steuern. Deswegen ist eine zielgerichtete Working Capital Finanzierung heute wichtiger denn je, um hohe Kosten für teures Fremdkapital zu minimieren.

Wir erklären Ihnen, wieso diese Art der Finanzierung essenziell ist und wie Sie durch kluges Working Capital Management alle Vorteile für Ihr Unternehmen nutzen können. Damit beugen Sie Liquiditätsengpässen frühzeitig vor und stellen die Weichen für künftigen Erfolg.

 

Was versteht man unter Working Capital?

Im Deutschen als Betriebskapital bekannt, beschreibt es die Differenz zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Es ist damit ein deutlicher Indikator, ob ausreichend Liquidität im Unternehmen vorhanden ist. Denn das Umlaufvermögen beinhaltet vor allem Vorräte, Forderungen und liquide Mittel, die in Summe idealerweise etwas höher sind als die kurzfristigen Verbindlichkeiten, um diese stets decken zu können.

Es kann aber ebenfalls auf eine zu hohe Kapitalbindung oder eine schlechte Zahlungsbilanz von Kunden hindeuten. Viele Unternehmen halten einfach zu hohe Lagerbestände oder haben zu viele Forderungen im Verzug. Das lässt das Umlaufvermögen anwachsen und es übersteigt in Folge deutlich die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ein solides Working Capital Management kann in einem solchen Fall helfen, nur so viel Kapital zu binden, wie es für einen ordentlichen Geschäftsbetrieb notwendig ist.

 

Berechnung der Working Capital Ratio

Im Geschäftsalltag bzw. im Controlling haben sich zwei wichtige Kennzahlen etabliert, die sich mit der jeweiligen Working Capital Formel berechnen lassen. Sie drücken aus, welchen Anteil des Umlaufvermögens das Unternehmen langfristig decken kann und bilden oft die Basis für die weitere Working Capital Finanzierung.

Die beiden Formeln lauten wie folgt:

Working Capital Ratio I = Working Capital / Umlaufvermögen x 100%
Working Capital Ratio II = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100%


Im Idealfall liegt die Ratio I bei einem Wert um die 30 %, das Ergebnis der Ratio II sollte hingegen deutlich über 100 % liegen. Ein Wert von bis zu 200 % kann dabei als positiv gelten, während noch höhere Werte dann wiederum auf zu hohe Lagerbestände oder Zahlungsverzug bei Kunden hindeuten können.

 

Working Capital Finanzierung: Optimierung der Liquidität für Unternehmen

Sie wollen sicherlich wissen, wie Sie Ihr Working Capital finanzieren.

 

So funktioniert die Working Capital Finanzierung

In der freien Wirtschaft kommt es häufig vor, dass Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Doch ausreichend Betriebskapital ist absolut notwendig, um einen laufenden Geschäftsbetrieb zu gewährleisten. Genau hier kommt die Working Capital Finanzierung ins Spiel, die dem Unternehmen dabei helfen soll, Engpässe zu überbrücken und langfristig noch intelligenter zu planen.

Dadurch lassen sich viele positive Effekte erzielen:

  • Aufrechterhaltung des regulären Geschäftsbetriebs.

  • Sicherung der Liquidität, um den eigenen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.

  • Stärkung der Eigenkapitalquote und damit Verbesserung der Bonität.

  • Gewährleistung von Planungssicherheit und langfristigen Investitionsmöglichkeiten.

  • Schaffung optimaler Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum.

 

Diverse Formen der Working Capital Finanzierung

Es gibt einige unterschiedliche Formen, mit denen ein Unternehmen im Notfall schnell an Geld kommen kann. Doch eine solide Working Capital Finanzierung umfasst sowohl kurz- als auch langfristige Maßnahmen, um die eigene Ausgangslage optimieren zu können.


Kontokorrent- bzw. Überziehungskredit

Eine sinnvolle Maßnahme zur kurzfristigen Finanzierung kann ein Kontokorrentkredit sein. Hierbei gewährt Ihnen eine Bank einen Überziehungsrahmen, der mit einem Dispo vergleichbar ist. Bei Bedarf kann Ihr Unternehmen einen bestimmten Betrag überziehen und anschließend flexibel zurückzahlen. Dieses Instrument eignet sich hervorragend zur Betriebsmittelfinanzierung, um im Notfall den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten. Die hohe Flexibilität ist allerdings mit den höchsten Finanzierungskosten verbunden.


Factoring und Forderungsabtretung

Mithilfe des Factoring oder einer Forderungsabtretung kann Ihr Unternehmen jedoch ebenfalls schnell an Geld kommen. Das kann besonders dann sinnvoll sein, wenn die Zahlungsfrist zur Begleichung einer Forderung lang ist und Sie nicht auf die Bezahlung warten können. Ein Factor kauft Ihnen die Forderungen ab und Sie erhalten im Gegenzug sofort liquide Mittel. Bei Zahlungsverzug kann sich hingegen die Forderungsabtretung an ein Inkasso-Unternehmen anbieten, selbst wenn das oft mit hohen Abschlägen verbunden ist.


Lagerfinanzierung bzw. Beleihung des Vorratsvermögens

In manchen Fällen benötigen Unternehmen hohe Lagerbestände, um langfristig planen zu können. Ein kurzfristiger Verkauf von Vorräten bietet sich also selbst im Notfall kaum an, obwohl das schnell für zusätzliche Liquidität sorgen könnte. Stattdessen besteht die Möglichkeit der Lagerfinanzierung, bei der ein Kapitalgeber einen Kredit auf Basis des Lagerbestandes gewährt. Sollte im schlimmsten Fall dennoch die Insolvenz drohen, können genau diese Vorräte dann als Sicherung verkauft werden.


Langfristige Darlehen

Während die ersten drei Formen kurzfristige Optionen der Working Capital Finanzierung darstellen, dienen Darlehen auch zur langfristigen Planung. Es kann sich dabei sehr wohl um eine Umfinanzierung handeln, um teure kurzfristige Finanzierungsformen zu ersetzen. Vorrangig dienen Darlehen aber ebenfalls zur Finanzierung von langfristigen Investitionen, die ohne dieses Fremdkapital oftmals gar nicht zu stemmen wären. Dadurch schaffen Sie für Ihr Unternehmen einen gewissen Spielraum, da die eigenen liquiden Mittel weniger stark belastet werden.

 

Working Capital Management zur Optimierung der Betriebsmittel

Es gibt zudem noch sinnvolle Maßnahmen, die Ihr Unternehmen selbst verfolgen kann, um die Liquidität zu stärken. Hierbei dient ein kluges Working Capital Management zur Optimierung, welches sich wiederum auf Debitoren, Kreditoren und Vorratsplanung beziehen kann.

  • Debitorenmanagement: Oft kämpfen Unternehmen mit verspäteten Zahlungseingängen, die nicht selten selbst verschuldet sind. Das Setzen klarer Zahlungsfristen und ein professionelles Forderungsmanagement sind Voraussetzungen, um offene Forderungen zügig einzuholen.

  • Kreditorenmanagement: Andererseits kann es auch wichtig sein, die eigenen Zahlungsausgänge zu optimieren. Behalten Sie dabei stets Skonto und Zahlungsziele im Auge, um Rechnungen zwar fristgerecht, aber nicht früher als notwendig zu begleichen.

  • Vorratsmanagement: Halten Sie nur so viele Vorräte auf Lager, wie es für einen reibungslosen Geschäftsbetrieb notwendig ist. Das kann obendrein hohe Kosten zur Lagerung reduzieren und ermöglicht Ihnen, mit den gesparten Opportunitätskosten sinnvollere Investitionen zu tätigen.

Insbesondere die Vorteile eines professionellen und automatisierten Forderungsmanagements können Ihnen beim Working Capital Management in die Hände spielen. Denn dadurch erhalten Sie aktive Hilfe beim Eintreiben offener Forderungen, und Ihre Mitarbeiter sparen sogar noch viel Arbeitszeit.

 

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Management Summary

  • Working Capital ist eine wichtige Kennzahl im Unternehmen, um die Liquiditätsstärke zu messen, und ferner, wie viel Betriebskapital im Geschäftsalltag gebunden ist.

  • Sollte der Bedarf entstehen, gibt es verschiedene Arten der Working Capital Finanzierung: kurz- und langfristige Kredite, Forderungsabtretungen und Lagerfinanzierung.

  • Es gibt außerdem Möglichkeiten, die Liquidität aus eigener Kraft zu stärken. Hierzu gehört primär ein professionelles Forderungsmanagement, das offene Forderungen zügig einholt.

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